Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen
Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen ist sehr ausgeprägt, sie sind fast ständig online. Foto: Rödi / pixelio.de

Studie zur Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) hat am vergangenen Donnerstag in Berlin eine aufsehenerregende Studie vorgestellt. Untersucht wurde die Smartphone-Nutzung der jungen Generation aller Altersklassen unter 25 Jahren. Die Erkenntnisse entkräften viele Argumente und Klischees der besorgten Elternschaft – und zeigen, dass das Internet noch weit von der Verwirklichung utopischen Gleichheitsdenkens entfernt ist.

Laut dem Direktor des in Hamburg ansässigen Forschungsinstituts, Matthias Kammer, stellt die Untersuchung eine Art Pionierstudie dar: „Bislang fehlte es an einer vergleichbaren Studie, die das Verhalten der 9- bis 24-Jährigen in der digitalen Welt gezielt, präzise und unabhängig auslotet. Unsere Untersuchung liefert erstmals fundierte Fakten über das Verhalten der heranwachsenden Generation im Netz.“

Insgesamt 1512 Vertreter der jungen Generation wurden nicht nur hinsichtlich ihrer Nutzungsgewohnheiten des Internets, sondern auch über Denk- und Handlungslogiken und ihre Lebenswelten befragt. Die Bandbreite der Ergebnisse reicht von „wenig überraschend“ bis „aufsehenerregend“.

Das Smartphone als ständiger Begleiter

Das Internet nehme im Lebensalltag der jungen Deutschen einen festen und zentralen, bei vielen einen dominanten Platz ein, heißt es in einer Pressemitteilung des DIVSI. Mit rund 98 Prozent verfügen praktisch alle Jugendlichen (14-17 Jahre) und jungen Erwachsenen (18-24 Jahre) über Zugang zu internetfähigen Medien. Der Anteil der Kinder (9-13 Jahre) ist mit 86 Prozent nur unwesentlich geringer. Insbesondere der Smartphone-Nutzung kommt dabei eine überragende Rolle zu, da es die Permanenz der virtuellen Verfügbarkeit am einfachsten ermöglicht.

Bei der Art der Smartphone-Nutzung zeigen sich Unterschiede hinsichtlich des Alters und des Bildungsniveaus. Während Kinder die digitale Welt hauptsächlich als großes Spielfeld ansehen und aus reinen Vergnügungszwecken nutzen, trete mit zunehmendem Alter immer stärker die kommunikative Funktion in den Vordergrund – bis zu dem Punkt, an dem der Status Offline als „Notsituation“ und als „Ausnahmezustand“ wahrgenommen werde.

Auch der formale Bildungsabschluss wirkt sich laut Studie auf das Nutzverhalten aus. Er bestimmt, ob die jungen Smartphone-Nutzer stärker auf Unterhaltungs- und Kommunikationsangebote setzen oder ob sie das Internet eher als Informations- und Bildungsinstrument ansehen. Dies ist ein schwerwiegender Befund gegen die Hoffnung, dass das Internet durch seine relativ geringen Zugangshürden gesellschaftliche Ungleichheiten nivelliert.

Mithilfe dieser Indikatoren haben die Forscher insgesamt sieben Internet-Milieus identifizieren können. Diese – so Dr. Silke Borgstedt, Direktorin des Sozialforschungsinstitutes SINUS – unterscheiden sich hinsichtlich „ihrer jeweiligen Lebenswelten, ihrer Zugangsweisen zum Netz und ihrer Einstellungen zu Vertrauen und Sicherheit im Internet.“

Virtuelle und reale Freunde

Weitere Erkenntnisse liefert die Studie in den Bereichen Freundschaft und Mobbing. Dabei wird deutlich, dass die jungen Menschen durchaus zwischen Online-Freunden, Bekannten und engen Freunden unterscheiden können – und sich in diesem Punkt nicht sonderlich von älteren Generationen unterscheiden: „Auch heute bedeutet Freundschaft für junge Menschen geteilte Interessen, gemeinsame Werte und Erlebnisse“, heißt es in der Studie. Beim Thema Mobbing hat sich gezeigt, dass mittlerweile ein großes Problembewusstsein herrscht. Rund drei Prozent (das sind 400.000 9-24-Jährige) gaben an, bereits Opfer von Mobbing geworden zu sein. Bemerkenswerterweise wird dabei Mobbing im Internet als schlimmer empfunden als Mobbing in der realen Welt – möglicherweise ein Indiz dafür, dass das Thema erschöpfend in Schule und Familie behandelt wurde.

Geschrieben von Maren

Maren Richter ist seit Jahren Expertin im Bereich Smartphones und Smartphone-Tarife. Nach ihrem IT-Studium arbeitete sie mehrere Jahre für eines der größten deutschen Telekommunikations-Unternehmen. Inzwischen ist sie als freie Beraterin und Autorin tätig. Kontakt-Möglichkeiten gibt es über Kontakt-Link unten.