Google Project Tango
Mit Project Tango entwickelt Google gerade ein Smartphone, mit dem man die Umgebung scannen kann. Bild: Youtube

Google Projekt Tango: Smartphone im Weltraum

Das Project Tango startete Google vor einigen Monaten. Im Rahmen dieses furios klingenden Projekts arbeitet der Konzern an einem Smartphone, das in der Lage sein soll, dreidimensionale Karten der Umgebung aufzunehmen. Jetzt hat Google die NASA als Partner gewinnen können. Daraus könnten einzigartige Nutzungsmöglichkeiten erwachsen.

Das Prinzip von Projekt Tango funktioniert wie folgt: Insgesamt drei Kameras und zahlreiche damit verknüpfte Sensoren führen über 250.000 Messungen in der Sekunde durch und erstellen so in Echtzeit das Abbild der unmittelbaren Umgebung, die sie in Bezug zur eigenen Position setzen.

Die Spekulationen über mögliche Anwendungsbereiche der Technologie beziehen sich dabei zumeist auf lapidare Alltagstätigkeiten. So wäre es möglich, mithilfe einer 3D-Karte von der eigenen Wohnung viel bequemer als bislang auf Möbelsuche zu gehen. Auch der Einkauf im Supermarkt wäre mit weniger Suchaufwand verbunden.

3D-Karten von der ISS

Doch neben diesen Vorschlägen gibt es noch weit sinnvollere Nutzungsmöglichkeiten. So ließe sich mithilfe der 3D-Karte die Navigation von Sehbehinderten in Räumlichkeiten erheblich erleichtern. Die weitreichendsten Pläne dürften jedoch durch die anlaufende Zusammenarbeit zwischen der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA) der USA sowie Google geschmiedet werden. Die NASA ist dafür bekannt, technische Errungenschaften über das Beta-Stadium hinaus auch tatsächlich zum Einsatz zu bringen.

So soll Tango Astronauten auf der International Space Station (ISS) bei ihren Tätigkeiten unterstützen, indem das Smartphone auf einem Roboter angebracht wird und dieser über Fernsteuerung 3D-Karten von der Station erstellt. Dies erleichtert die Vermessung und Beobachtung von Räumlichkeiten und Bewegungen auf der Raumstation.

Die NASA hat einen solcherart gestalteten Einsatz des Tango-Smartphones bereits auf einem schwerelosen Flug über Texas getestet. Angeblich sollen die Astronauten auf der ISS bereits in diesem Sommer mit den Geräten ausgerüstet werden.

Bereits 200 Prototypen im Umlauf

Doch Google möchte die Zusammenarbeit mit der NASA allem Anschein nach nicht als Exklusiv verstanden wissen. Kürzlich brachte der Konzern 200 Prototypen von Tango in Entwicklerkreisen in Umlauf. Dadurch erhofft sich Google eine ganze Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten. Denn auch die Konkurrenz bei Microsoft arbeitet an einem 3D-Scanner, der in künftigen Nokia-Smartphones zum Einsatz kommen soll. Und natürlich will Google seinem Konkurrenten keinen irdischen Vorsprung gönnen und sich später den Vorwurf der extraterrestrischen Abgehobenheit machen müssen.

Geschrieben von Maren

Maren Richter ist seit Jahren Expertin im Bereich Smartphones und Smartphone-Tarife. Nach ihrem IT-Studium arbeitete sie mehrere Jahre für eines der größten deutschen Telekommunikations-Unternehmen. Inzwischen ist sie als freie Beraterin und Autorin tätig. Kontakt-Möglichkeiten gibt es über Kontakt-Link unten.