Facebook erweitert die Möglichkeiten seines Messengers deutlich. Foto: csr
Facebook erweitert die Möglichkeiten seines Messengers deutlich. Foto: csr

Chat-Programm Facebook Messenger wird Alleskönner

Wieso bloß Sofortnachrichten verarbeiten, wenn man zugleich Einkaufsplattform, E-Mail-Dienst und Bezahlservice sein kann? Wieso bloß Text versenden, wenn es auch bunt, laut und bewegt geht? Der Facebook Messenger will durch seine erweiterten Funktionen viele andere Android-Apps überflüssig machen.

Es ist beinahe unheimlich, welche Mühen Facebook darauf verwendet, seinen Messenger zu etablieren. Erst konnten Nutzer nur innerhalb der Facebook Android-App chatten, dann warf Mark Zuckerberg einen separaten Messenger auf den Markt, der wenig später Pflicht-Download für die mobile Kommunikation wurde.

Laut Angaben des Facebook-Gründers nutzen mittlerweile rund 600 Millionen Menschen den Messenger. Eine nicht unerhebliche Klientel, die Facebook durch die Möglichkeiten der aktuellen Version weiter zu binden versucht.

Facebook Messenger erhält eigenen App-Store

Ein eigener App-Store stellt das Herz des neuen Messengers dar. Dort finden sich Spiele oder Erweiterungen, die Nachrichten mit animierten GIFs, Fotos oder Musik unterlegen können.

Ist der Empfänger einer Nachricht, die durch eine Facebook-App generiert wurde, nicht in deren Besitz, wird er direkt im Messenger dazu aufgefordert, sie zu installieren. Ein Klick genügt, das Chat-Fenster bleibt dabei die ganze Zeit geöffnet.

Über 40 Apps finden sich bereits im Repertoire des Facebook Messengers. Mit „Selfied“ erstellen Nutzer an Stimmungen geknüpfte Selbstportraits und können diese im Messenger versenden. „Strobe“ bietet die Möglichkeit, aus eigenen Fotos animierte GIFs zu basteln. „Stickered“ versieht Bilder mit bunten Stickern. Tonschnipsel werden fortan mit „Sound Clips“ versandt. Das Angebot wächst von Woche zu Woche.

Erweiterungen sind eigenständige Android-Apps

Tatsächlich sind die neuen Funktionen keine bloßen Erweiterungen, sondern selbstständige Android-Apps, die der Facebook Messenger per Anhalter mitnimmt. Eine Tonaufnahme muss beispielsweise nicht erst im Chat ausgewählt und versandt werden. „Sound Clips“ kann sie ohne Umwege einem Kontakt zuordnen.

Außerdem bietet der Facebook Messenger in knapp 20 Ländern ab sofort die Möglichkeit, Freunde per Videoanruf zu kontaktieren. Dabei stellt die App die Verbindung über das Internet her. Telefonkosten entstehen nicht. Deutschland ist aktuell jedoch noch nicht für Videotelefonate freigeschaltet.

Auch die Möglichkeit, Geld über den Messenger auszutauschen, besteht zurzeit nur in den USA. Hierzu müssen Sender um Empfänger ihre Kreditkartendaten angeben. Ein Passwort schützt die eigenen Daten. Die Zahlung erfolgt je nach Bank innerhalb von drei Tagen.

Künftige Versionen sollen es gar möglich machen, Online-Bestellungen oder Tischreservierungen per Sofortnachricht aufzugeben. Zuckerberg nennt in diesem Zusammenhang das Schlagwort „Business Messenger“.

Ob die Umstrukturierung des Facebook Messengers zum Tausendsassa aufgeht oder sich spezialisierte Android-Apps als zweckmäßiger darstellen, werden die kommenden Monate zeigen.

Geschrieben von Johannes

Der Autor ist App-Entwickler, Hardware- und Tarif-Experte. Auf Smart-Phoner schreibt er über alle Themen rund um Handy und Smartphone. Kontakt-Möglichkeiten gibt es über Kontakt-Link unten.