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Die Produktpalette der Apple-Stores könnte schon bald um ein weiteres Highlight erweitert werden. Foto: Apple

Apple lässt sich druckempfindliche Touchscreen-Technik patentieren

Bislang machte es keinen Unterschied, ob man den Touchscreen seines iPhones oder iPads sanft berührte oder mit voller Wucht drückte – das Gerät wertete nach dem Prinzip „0 = keine Berührung / 1 = Berührung“ aus. Dies soll sich nach Angaben des Szeneblogs AppleInsider künftig ändern. So soll der Touchscreen die Stärke der Berührung ermitteln und auswerten können.

Apple hat das Patent wohl schon 2012 eingereicht, in der Fachsprache nennt man die zugrundeliegenden Prinzipien – es sind derer zwei – „Frustated Total Internal Reflection“ (FTIR) und „Capacitive Sensing“ (CS). Die Druckstärke wird zum einen über das kapazitive Display und zum anderen über Infrarotsensoren an den Rändern der Oberfläche erfasst.

Zweck noch unklar

Welchem Zweck der druckempfindliche Touchscreen am Ende dienen wird, ist noch nicht geklärt. Möglich wäre etwa die Integration dieser Funktion als Bedienungskomponente. Somit könnte man etwa durch einen kräftigeren Druck auf Großbuchstaben umstellen oder einfacher Sonderzeichen niederschreiben. Auch die Spieleindustrie dürfte das Potential des neuen Features umfassend ausloten – viele Spiele-Controller kommen bereits mit druckempfindlichen Tasten auf den Markt.

Denkbare Nutzungsmöglichkeiten bei Fujitsu

Neu ist die Technologie allerdings nicht. So verwendet etwa Microsoft schon seit längerer Zeit FTIR bei besonders großen Touchscreens. Schon vor fünf Jahren stellte der Konzern auf einer Konferenz mit dem bündigen Titel „User-Interface-Software-and-Technology-Konferenz“ eine druckempfindliche Tastatur vor. Dabei wurde ebenjene Funktion realisiert, die nun auch beim druckempfindlichen Touchscreen von Apple angedacht ist: Je nach angewandter Kraft konnte der Benutzer zwischen Groß- und Kleinschreibung wechseln – bei einem sehr hohen Kraftaufwand ließen sich damit auch Buchstaben und ganze Wörter löschen.

Einen anderen Weg ist jüngst eine Gruppe von Forschern beim japanischen Elektronikkonzern Fujitsu gegangen. Der berührungsempfindliche Touchscreen sorgt via Ultraschallmotoren für Vibrationen, die den Bildschirm in glatte Bereiche und Zonen mit hoher Reibung unterteilen – als würde man mit dem Bildschirm in Kontakt treten.

Dies bietet wahrlich innovative Gebrauchsmöglichkeiten: So könnte etwa der Nutzer einer Musik-App fühlen, wenn er über die Saiten seiner virtuellen Gitarre streicht. Der DJ, der auf digitale Technik setzt, würde das Scratchen der Platte fühlen können. Oder man streichelt bei einer Tierlexikon-App über die ruppige Haut einer Eidechse.

Im Moment befindet sich die Technik noch in der Testphase. Auch bei Apple ist noch nicht klar, ob und wann die Funktion in einem Endgerät verbaut wird.

Geschrieben von Maren

Maren Richter ist seit Jahren Expertin im Bereich Smartphones und Smartphone-Tarife. Nach ihrem IT-Studium arbeitete sie mehrere Jahre für eines der größten deutschen Telekommunikations-Unternehmen. Inzwischen ist sie als freie Beraterin und Autorin tätig. Kontakt-Möglichkeiten gibt es über Kontakt-Link unten.