Smartphoner-News-Platzhalter

64-Bit-Smartphone-Prozessoren werden zum neuen Standard

Immer mehr Smartphone-Hersteller satteln auf 64-Bit-Prozessoren um. Die Vorteile halten sich derzeit noch in Grenzen, doch die 64-Bit-Architektur ist für Zuwächse in Puncto Arbeitsspeicher zwingend notwendig – und wird sich daher mittelfristig als neuer Standard bei Smartphone-Prozessoren etablieren.

Derzeit gehört das iPhone 5S zu den wenigen 64-Bit-Smartphones. Dabei hat die verwandte PC-Industrie bereits viel Erfahrung in dem Segment gesammelt – ab 2003 fand 64 Bit zunehmend Verbreitung. Auf diesem Gebiet gilt der Halbleiter-Riese Intel fraglos als Vorreiter, Umso verwunderlicher ist der Umstand, dass nicht er, sondern der Lizenzgeber ARM die Entwicklung im Bereich der Smartphone-Prozessoren maßgeblich vorangetrieben hat. 2012 stellte er mit der ARMv8-Architektur die nötige Grundlage für 64 Bit vor. Mittlerweile haben mehr als 30 Prozessor-Hersteller Lizenzen für das Verfahren erworben, darunter namhafte Unternehmen wie Mediatek und Qualcomm.

Vorteile von Smartphone-Prozessoren mit 64 Bit

Die Vorteile solcher Smartphone-Prozessoren entfalten sich nur in Verbindung mit dem Arbeitsspeicher. Bei einer 64 Bit-Architektur verdoppeln sich die Recheneinheiten, sodass der Speichercontroller auf dem Prozessor mehr physikalischen Speicher (vulgo: Arbeitsspeicher) adressieren kann. Bei Smartphone-Prozessoren mit 32 Bit liegt die Obergrenze, die verarbeitet werden kann, bei maximal zwei Gigabyte Arbeitsspeicher – zusätzlicher Speicher wird nicht verarbeitet.

Smartphone-Prozessoren auf 64 Bit-Basis werden ihre Stärken insbesondere bei mehreren gleichzeitig laufenden Apps sowie aufwendigen Anwendungen ausspielen können – der zusätzliche Arbeitsspeicher sorgt in solchen Fällen für eine ruckelfreie Nutzung der Programme. Ein weiterer Vorteil liegt in der höheren Effizienz der Akku-Laufzeit. Dieser „race to sleep“ genannte Effekt entsteht dadurch, dass der Smartphone-Prozessor auf 64 Bit-Basis anfallende Aufgaben schneller erledigt und dann wieder in den Ruhemodus zurückkehren kann.

Nachteile von Smartphone-Prozessoren mit 64-Bit

Doch die 64 Bit-Architektur hat auch ihre Nachteile. Um tatsächlich ein Leistungsplus verbuchen zu können, ist es unablässig, auch den Puffer-Speicher des Prozessors zu erhöhen. Dieser benötigt aufgrund des doppelt so hohen Datenvolumens bei der 64 Bit-Verarbeitung auch doppelt so viel Speicherplatz – ansonsten sinkt die Leistung paradoxerweise, weil die Recheneinheiten länger brauchen, um auf die Daten aus dem Puffer-Speicher zuzugreifen.

Um 64 Bit nutzbar zu machen, muss auch das Betriebssystem mitspielen, da ihm ein Teil des Arbeitsspeichers fest zugeordnet ist. Auch die Anwendungen müssen entsprechend programmiert werden.

Es wird erwartet, dass zum Mobile World Congress (MWC) im Februar 2015 die ersten Smartphones und Tablets auf 64 Bit-Basis – und damit samt vier Gigabyte Arbeitsspeicher und entsprechendem Betriebssystem – vorgestellt werden. Spätestens dann sollte die 64 Bit-Architektur zu den echten Innovationen auf dem Smartphone-Markt gezählt werden.

Geschrieben von Maren

Maren Richter ist seit Jahren Expertin im Bereich Smartphones und Smartphone-Tarife. Nach ihrem IT-Studium arbeitete sie mehrere Jahre für eines der größten deutschen Telekommunikations-Unternehmen. Inzwischen ist sie als freie Beraterin und Autorin tätig. Kontakt-Möglichkeiten gibt es über Kontakt-Link unten.